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Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Sonderausstellung

Gier

Wegen der coronabedingten Schließung der Museen kann die Ausstellung "Gier. Was uns bewegt" im Haus der Geschichte nicht wie geplant am 6. Dezember 2020 eröffnet werden.

 

 

Gier. Was uns bewegt

Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Sie gilt als eine der sieben Todsünden. Doch so verwerflich die Gier nach Geld, Wohlstand und Konsum scheint - sie sorgt für die Dynamik einer Marktwirtschaft. Ebenso wie die Gier nach Wissen, Weiterentwicklung und Erfolg.

Mit "Gier. Was uns bewegt" führt das Haus der Geschichte Baden-Württemberg in ein Dickicht der Gefühle. Gier-Geschichten aus drei Jahrhunderten - von raffgierigen Fürsten über habsüchtige Kolonialisten bis hin zur konsumbegeisterten Shopping Queen - sind in einer außergewöhnlich inszenierten Ausstellung miteinander verbunden und voneinander getrennt. Ganz konkret und dennoch schwer fassbar wie die Gier selbst.

Die Ausstellung ist der erste Teil einer zweijährigen Trilogie zu den Gefühlen Gier, Hass und Liebe.

Öffnungszeiten
Di bis So. 10 - 18, Do bis 21 Uhr
Mo geschlossen
Öffnungszeiten an Feiertagen

Eintrittspreise
Erwachsene 5 Euro
Ermäßigt 2,50 Euro
Schüler frei
Details zu den Preisen

Ein Katalog zur gesamten Ausstellungstrilogie erscheint 2022.

Gier-Geschichten aus der Ausstellung

Ob Habgier oder Sensationslust, Ehrgeiz oder Sammelleidenschaft, Geltungsbedürfnis oder Forscherdrang - Gier ist und war schon immer ein starker Antrieb. Die Ausstellung zeigt von der Ausplünderung reicher Kirchengüter im frühen 19. Jahrhundert bis zum heutigen Streben nach Aufmerksamkeit und Schönheit 30 Gier-Geschichten aus dem deutschen Südwesten. Hier zeigen wir eine kleine Auswahl:

Zwei Raffzähne

Mit Kirchenland und Reichsstädten entschädigte Napoleon 1803 seine Nachbarn dafür, dass sich Frankreich Gebiete links des Rheins einverleibte. Der württembergische Herzog und spätere König Friedrich holte hemmungslos alles, was nicht niet- und nagelfest war, aus den Reichsabteien und Klöstern. Einen Großteil des konfiszierten Silbers ließ er für ein prächtiges Tafelservice einschmelzen. Davon sind nur noch zwölf Teller erhalten, weil 1937 ein weiterer Raffzahn auf den Plan trat. Der NS-Reichsstatthalter Wilhelm Murr beschlagnahmte das Silber, das zu einem neuen Prunkservice umgearbeitet wurde. Dieses überstand den Zweiten Weltkrieg allerdings nicht. 

Säkularisierter Schatz: ein Teller aus dem Prachtservice von König Friedrich I., für das er Klostersilber einschmelzen ließ. (Foto: Landesmuseum Württemberg)
Ein Monument für den Rottweiler Pulverkönig: Einweihung des Duttenhofer-Denkmal in Schlüsselburg bei Sankt Petersburg. (Foto: Stadtarchiv Rottweil)

Der unersättliche Pulverkönig

Aus einer Pulvermühle im Neckartal bei Rottweil machte Max Duttenhofer ab 1870 eine ständig wachsende Fabrik. Dank glänzender Beziehungen sicherte er sich das Monopol für Pulver in Deutschland, produzierte zudem in der Nähe von Hamburg und in Russland und verkaufte weltweit. Das reichte ihm nicht. Er kontrollierte andere Unternehmen, drängte zeitweise Gottlieb Daimler aus dessen eigner Firma. 1903 wurde er unter mysteriösen Umständen erschossen.

Eine sensationelle Groteske

Alle waren getrieben von Habgier oder Sensationslust: der Fälscher, der Reporter, der Verlag, die Medien, das Publikum. Der Fall der gefälschten "Hitler-Tagebücher" aus dem Jahr 1983 ist ein Paradebeispiel für Gier, die alle Sinne vernebelt. Er begann mit der Hoffnung auf einen sensationellen Scoop und endete als einer der größten Skandale der deutschen Pressegeschichte. Die Groteske kostete das Magazin "Stern" Ruf, Auflage und viele Millionen Mark.

Ebenso falsch wie berühmt: eines der angeblichen Hitler-Tagebücher aus der Feder von Konrad Kujau. (Foto: Axel Thünker, Haus der Geschichte, Bonn)
Shopping Queen: Die Kleidung von Gordana Apostoloska aus Bad Buchau füllt mehr als zwei Zimmer. (Foto: Radio 7, Elke Ruthenkolk)

Glück durch Konsum

In ihrer Jugend war nicht viel Geld für Kleidung da, und sie fühlte sich dadurch ausgegrenzt. Gordana Apostoloska holt das nun mehr als nach. Sie konsumiert sich glücklich: Ihre Kleidung füllt mehrere Zimmer. Und beim Shoppen schauen ihr bisweilen tausende Menschen zu. Mit Ihrer Einkaufskompetenz wurde Gordana Apostoloska eine der Siegerinnen des Fernsehformats "Shopping Queen auf hoher See".

Gier. Hass. Liebe - eine Ausstellungstrilogie

Gier, Hass und Liebe treiben Menschen an. Sie bringen uns zusammen und trennen uns, entwickeln Gesellschaften weiter und ruinieren sie - in der Geschichte und in der Gegenwart. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg widmet diesen Schlüssel-Emotionen von Dezember 2020 bis Januar 2023 eine Ausstellungstrilogie.

Die Besucherinnen und Besucher erwarten emotionale Ausstellungserlebnisse mit außergewöhnlichen Originalobjekten und Geschichten aus dem Südwesten. Warum erschien das, was heute als verabscheuungswürdig gilt, früher vielen als notwendig? Und wie beurteile ich selbst welche Formen von Gier, Hass und Liebe? 

Das Haus der Geschichte motiviert in allen Teilen der Trilogie dazu, sich zu historischen Vorgängen und zum eigenen Verhalten eine Meinung zu bilden, Stellung zu beziehen – und Teil der Ausstellung zu werden. Die Ausstellungen zu Gier, Hass und Liebe gehen thematisch ineinander über und sind konzeptionell, gestalterisch und medial eine Einheit. Sie zeigen, wie diese Emotionen Gesellschaften prägen, und wie die Gesellschaft diese Emotionen beim Einzelnen auslöst.

Medienberichterstattung zur Ausstellung